Post
Topic
Board Off-Topic (Deutsch)
Merits 3 from 2 users
Re: Corona
by
bitcoincidence
on 19/06/2020, 09:02:05 UTC
⭐ Merited by 1miau (2) ,thandie (1)

Zu Drosten, habe gestern im Radio gehört das seine Einschätzung gegenüber Kindern eigentlich ziemlich falsch war, gibt es da wo einen Artikel?
Da gibt es nicht einen sondern dutzende...hunderte.
Letztlich kann aber noch niemand sagen ob er "falsch" lag, weil sich die Tendenzen und Erkenntnisse in der virologischen Forschung ob des brandneuen Virus quasi täglich ändern.
Ob man ihm also ein "lag falsch" unter die Nase reiben möchte (oder kann?) hängt weniger vom Forschungsstand ab, sondern eher davon wie man Wissenschaft interpretiert bzw. ob man sich mit Wissenschaftstheorie beschäftigt hat und diesbezüglich ähnliche Vorstellungen hat wie die am Forschungsprozess beteiligten Wissenschaftler.
Ich würde aber mal unterstellen, dass das nicht immer der Fall ist....ist ja auch ein komplexes Gebiet.
Warum komplex, wenn es der BILD Leser einfach will...


Was interessiert mich die Bild, das ist alles > 1 Monat alt. Ich habe das Gestern im Radio gehört und gibt es da was aktuelles dazu? Da sollte es ja dann von einem seriösen Medium auch was geben das nicht älter ist als eine Woche?

Wenn es nur darum geht sich daran zu erfreuen, dass Drosten "falsch lag" ist man leider quasi auf einer Ebene mit der BILD.
Wissenschaftstheoretisch ist der "Kritische Rationalismus" der aktuelle Standard für wissenschaftliche Erkenntnisgewinne und im Gegensatz zum Positivismus ist das falsifizieren von Ergebnissen hier wesentliche Basis des Erkenntnisgewinns. Innerhalb der Scientific Community muss sich jede Hypothese deshalb fundierter Kritik stellen und reift durch diesen scharfen Gegenwind entweder zu einer brauchbaren, bzw. anwendbaren Theorie oder muss schlimmstenfalls komplett verworfen werden. Fehler sind in diesem Prozess (idealerweise) normal und erwünscht.

Drosten hat natürlich den Fehler gemacht seinen Kopf zu weit aus der Wabe zu strecken und eventuell nicht damit gerechnet, dass er dadurch zum Feindbild einer ideologisierten Meute wird. Da sind Wissenschaftler manchmal tatsächlich betriebsblind, weil sie meistens den Kontakt zur "Alltagslogik" der Normalbevölkerung verloren haben und sich gar nicht vorstellen können wie dünn der Firnis der Rationalität in unserer Gesellschaft tatsächlich ist.