Und Bitcoins selbst verwalten? Hatte damals noch nicht genügend Erfahrung. Und ehrlich gesagt, 99% in der Community haben die nicht. Man kann das als Bequemlichkeit bezeichnen. Aber letztlich haben wir alle noch ein Leben zu leben und nicht jeder ist studierter Informatiker oder hat vergleichbare Kenntnisse. Man kann natürlich auch irgendeinen Client gherunterladen, den einfach benuutzen und sich dabei sicher fühlen. Aber bitte auf der Basis von was? Letztlich ist es bei den meisten doch nur Glück und dem Umstand geschuldet, dass sie (noch) niemand angreift.
Auf Gox hat es nicht nur mich erwischt. Es musste ja die meisten erwischen. Hätte ich meine Coins im Dezember abgezogen, dann wäre für mich eben jemand anders auf der Strecke geblieben. Das ist nicht der Fehler von uns Opfern. Der Fehler ist, dass immer wieder im großen Umfang Coins "verschwinden" und die Community das einfach hinnimmt. Das ist noch viel lächerlicher als Bailouts und Dergleichen. Dabei bleibt Bitcoin irgendwann zwangsläufig auf der Strecke. Man könnte das ändern, aber man will es eben nicht. Das ist das Problem. Und daran kann das ganze Projekt scheitern. Die Ursache sehe ich im vulgär-libertären Ansatz vieler und der politischen Ungebildetheit von uns "Internetlern" insgesamt. Kaum jemand von uns hat mal politisch gearbeitet oder weiß wie man Großgruppen organisiert. Eine libertäre selbst organisierende Welt ist wunderschön, aber sie funktioniert leider nur ohne Gewalt und daher nur in der Theorie, siehe "Nichtaggressionsprinzip". Die wirkliche Welt ist leider eine andere und eine halbe Million Coins zu klauen ist ganz klar aggressiv. Es erfordert entsprechende Gegenmaßnahmen. Wobei ich damit ausdrücklich nicht meine, jemandem Gewalt anzutun oder ihn gar umzubringen. Das muss man ja leider hier auch immer noch dazu schreiben, weil es in der Bitcoin-Community keine Selbstverständlichkeit ist.
Insgesamt ist das, was wir bisher haben absolut ungeeignet um darauf irgend etwas anders "aufzubauen" als Chaos und Gewalt und das kann von uns eigentlich niemand wollen. Wir haben am Ende nur einen riesigen Schwanz von Prozessen, Strafverfahren und ggf. blutig ausgetragenen Fehden, was zu mehr Verboten und Regulation als in irgendeinem anderen System führen wird. Genau so wird es kommen, wenn es so weiter geht.
Spätestens wenn unser jetziges Finanzsystem crasht werden sich die Bürger Gedanken um ihr Geld machen müssen. Dann ist es für viele zu spät. Denn sie haben ihren Besitz in die Hände von Banken gegeben und die retten sich nunmal zuerst mit dem Vermögen der Bürger. Und das ist nunmal kein Phänomen von Bitcoin.