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Board Off-Topic (Deutsch)
Re: Europawahl, welche Partei kann noch gewählt werden.
by
qwk
on 24/05/2019, 12:14:00 UTC
Es gibt einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen Stärke der Landeswährung und Kaufkraft.
Es gibt zwar einen kausalen Zusammenhang zwischen der Teuerung im Binnenmarkt und dem Wechselkursverhältnis einer Währung im Außenverhältnis.
So werden zwar die Preise von Importgüter beeinflusst von der "Stärke" der eigenen Währung,
oder einfacher gesagt: wenn der Euro gegen den Dollar abwertet, wird Benzin teurer.
Daraus folgt aber nicht notwendigerweise eine Verringerung der Kaufkraft, wenn entsprechend die Wirtschaft durch den steigenden Export anzieht und die Löhne mitziehen.
In Summe ergibt sich eine starke Korrelation für kurze Zeithorizonte und eine schwache Korrelation für lange.


Die D-Mark mag stark gewesen sein, im Vergleich zu unseren üblichen Export-Ländern war sie aber keineswegs dominant.
Es ist völlig irrelevant wie sie im Vergleich zu anderen Ländern stand, was zählt ist, dass sie im Vergleich zum Euro stärker war.
Das ergibt keinen Sinn.
Wenn dein Argument ist, dass der Euro aufgrund seiner Schwäche (im Verhältnis zu was denn, wenn nicht zum Dollar z.B.?) deutsche Waren im Export verbilligt hat, ist es unerheblich, wie sich der Euro zur DM verhält, sondern es kommt alleine darauf an, wie sich der Preis deutscher Waren in Dollar entwickelt.


Deine Grafik ist außerdem nichtsaussagend, weil sie den auf Euro-Umrechnungskurs bereinigten DM/Dollar Umrechnungskurs anzeigt.
Und genau das ist relevant, alles andere ist Augenwischerei. Roll Eyes


Der Euro Umrechnungskurs hat die DM abgewertet und z.b. die griechische Drachme aufgewertet.
Ja, es gab einen Einmal-Effekt, der allerdings in den meisten Fällen im niedrigen einstelligen Prozentbereich gelegen haben dürfte.
Dieser Einmaleffekt war ein notwendiges Übel für den Übergang.


Das ist auch ein Hauptgrund warum Griechenland den Bach runter gegangen ist, der Euro war zu stark für ihre Wirtschaftsleistung
Nein. Die griechischen Produkte wurden durch den Euro nicht teurer (bis auf möglicherweise den Einmaleffekt).
Allerdings wurde die Bonität der griechischen Wirtschaft durch die Einführung des Euro aufgewertet, weshalb es zu einer "Geldschwemme" und somit zu einer Investitionsblase kam. Diese Investitionsblase hat die Lohnstückkosten massiv ansteigen lassen, was die Wettbewerbsfähigkeit der Industrieproduktion zerstört hat.


Ergo hohe Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Rezession (gleiches gilt für Spanien und Italien).
Ich kann nur darauf hinweisen, dass sich das in der wirtschaftlichen Entwicklung bspw. Italiens nicht erkennen lässt:

Nicht die Einführung des Euro hat in Italien zu Problemen geführt, sondern die Finanzkrise ab 2007.

Ganz allgemein kommt der "Knick" für die PIGS-Staaten mit der Finanzkrise:



Abgesehen davon würde ich bezweifeln, dass der Euro im Außenhandelsverhältnis der Bundesrepublik eine Verbilligung der Waren herbeigeführt hat.
Kein Ökonom dieser Welt wird bestreiten, dass der Euro deutsche Produkte auf dem Weltmarkt günstiger gemacht hat.
Das kann ich nun leider nicht mit Belegen widerlegen, aber ich würde es genau umgekehrt sagen, ich kann mir schwer vorstellen, dass ein Ökonom ernsthaft behaupten würde, dass die bloße Währungsumstellung deutsche Waren billiger gemacht hat.
Dass andererseits Deutschland als Exporteur überwiegend ins europäische Ausland massiv von festen Wechselkursen zu seinen Hauptabnehmern profitiert hat, wird sicherlich niemand bestreiten.

Um das hier mal klar zu sagen: der große Exportweltmeister Deutschland exportiert vor allem in die EU.
Der Euro hat deutsche Waren innerhalb der EU nicht "billiger" gemacht.
Ein Artikel, der z.B. für 100 D-Mark nach Griechenland verkauft wurde, hat
- am 31.12.1998 17.400* Drachmen gekostet
- am 01.01.1999 51 Euro gekostet
Der griechische Käufer hatte am 31.12. 17.400 Drachmen auf seinem Konto, am 1.1. 51 Euro.
Was soll daran jetzt in irgendeiner Weise teurer oder billiger geworden sein?

* keine Ahnung, ob ich das jetzt richtig gerechnet habe Grin